Famose Kritik zu SAX mit Bader

Ich wünschte, das Feedback wäre immer so gut 😉

 

Artikel der MZ

 

Ein Quäntchen Wahrheit in leeren Gassen

Für den jungen Regensburger Autor Fabian Bader läuft’s gerade rund. Im Literaturcafé las der Newcomer aus „Profilbilder“.
Von Daniel Pfeifer, MZ

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REGENSBURG.Wenn eine Lesung schon mit dem Begräbnis des Erzählers beginnt, kann man sich denken: Das wird makaber. Der talentierte Literatur-Newcomer Fabian Bader schreibt in seinen Geschichten über Tod, Drogen, Regensburg und den Sumpf des Bachelorstudiums. Dafür wird er seit einigen Monaten gefeiert, er räumt Preise ab und qualifiziert sich für die großen Autorenschmieden.

An zwei Abenden las der 23-jährige Philosophie- und Germanistikstudent jetzt noch einmal – ganz am Boden geblieben – vor einer Handvoll Zuhörer im Literaturcafé in Regensburg. Der anzügliche Titel des Programms – „Sax mit Bader“ – spielte an auf Julius Herion aus Bamberg. Der Instrumentalist begleitete die Lesungen am Saxophon, mit der Art von jazziger, bluesiger Musik, die im klassischen Film noir im Hintergrund wabert, wenn der tragische Held durch düstere Straßen, verrauchte Bars und leere Gassen der sündigen Stadt zieht.

„Irrweg, Querstraße, Häuserschlucht. Hier finde ich ein Quäntchen Wahrheit, dort einen Schuss Ehrlichkeit. Doch auf Betonwegen sind Pfotenabdrücke schwer zu finden“, heißt es in Baders Kurzgeschichte „Schwarzer Freitag“. Es geht zwar nicht um Verbrechen, doch nur zu gern reißt der junge Schriftsteller die schönen Fassaden der Stadt ein. Da bleibt auch Regensburg nicht verschont. Denn dort spielt sein nächster Roman „Profilbilder“, aus dem er am Mittwoch zum ersten Mal vor Publikum las.

Ein düsteres Bild der Generation Hashtag

Der Protagonist des Buchs ist so oberflächlich wie das durchschnittliche Facebook-Profil. Seine alltäglichen Sorgen beschränken sich auf Likes, Koks und Liebeskummer. Fabian Bader malt ein düsteres Bild von der Generation Hashtag, in Szenen, die so überfüllt von Informationen und Markenlabels sind, dass man sich am Ende wundert, wie doch annähernd nichts wirklich passiert. Und wenn auch die Themen manchmal schwer sind, lockert sie Baders makabrer Humor immer wieder auf. Besonders Facebook- und Instagram-Jünger Mitte zwanzig dürften sich aber öfter angesprochen fühlen, als ihnen vielleicht lieb ist.

Lesen Sie mehr über Fabian Bader: hier

„Es wird kein Riesenschinken werden“, verrät der Autor vorab über den Roman, vielleicht so 150 Seiten. Mehr will er noch nicht sagen. Lieber spricht er mit stolzem Strahlen über das, was die Zukunft so bringt: über sein Schreibstipendium in Berlin und den baldigen Auftritt bei der Leipziger Buchmesse. Keine schlechte Bilanz, wenn man bedenkt, dass er erst vor zwei Jahren durch Zufall angefangen hat, zu schreiben. Oder in seinen eigenen kurzen Worten: „Läuft grad.“

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Gern geschehen

Die wenigsten seiner Texte kann man nach einem Jahr noch anschauen ohne sie schrecklich zu finden. Die folgende Geschichte gehört zu den ersten, die ich überhaupt geschrieben habe. Trotzdem gefällt sie mir immer noch. Deshalb:

 

Gern geschehen

Ich machte nur das Schönste der Welt. Es war scheiße. Traurigerweise bleibt das wohl die größte Erkenntnis meines Lebens: Nichts war richtig, nichts war wie es sein sollte, rein gar nichts war perfekt.

Doch genug des Selbstmitleids, denn heute ist zum ersten Mal mein Tag: Diese Beerdigung soll das Highlight meines Lebens werden. Am liebsten würde ich aufstehen und allen winken. Doch aus gegebenen Anlass ist das selbstverständlich nicht möglich. So liege ich also weichgebettet im Sarg und sehe vor meinen toten Augen die Szene um mich herum: Tausende Besucher aus allen Ländern der Welt sind angereist. Es bildet sich eine ewige Schlange geduldig Wartender zu meiner – von schluchzenden Models umringten – letzten Ruhestätte. Ganz wie in meinen Träumen thront der strahlendweiße Elfenbeinsarg augustusgleich auf einem 24 stufenhohen, völlig mit Narzissen bedeckten Podest. Direkt darüber schwebt ein überdimensional großes Portrait von mir. Gekrönt wird dieses Götterbild von meinen in Goldlettern abgedruckten letzten Worten: Gern geschehen
Eigentlich mag ich kein großes Aufheben um meine Person, doch zum Abschluss muss das einmal sein. Getreu des Mottos nicht stumm trauernd verlöschen, sondern ein letztes Mal brennen, erwarten die Gäste Kanonenschläge, ein Elefant – auf den ich mich wirklich besonders freue – und nicht zuletzt der selbstgeplante Merchandisegedenkstand. Nach langer Überlegung gelang es mir hierbei mich auf die wichtigsten Erinnerungen für jedermann zu begrenzen: Actionfiguren von mir aus verschiedenen Altersabschnitten, bedruckte Tassen und T-Shirts mit meinem lächelnden Porträt, Handyschutzhüllen mit meinem Oberkörper, Tangas mit eingenähten Initialen, selbst kreierte Gewürzmischungen, eine DVD-Gedenkbox, Kalender mit bisher unveröffentlichten Fotos, meine Parfümkollektion, Stricksocken mit aufgedruckten Aphorismen, ein Stickerbuch mit dazugehörigen Boosterpacks, mehrere Biographien, ein meinem Leben nachempfundenes Brettspiel, verschiedenfarbige Wecker mit meinen Abbild und nach mir benannte Hundewelpen.

Dank dieses Geistesblitzes hinterlasse ich zum einen der Welt genügend
Andenken, um nicht vergessen zu werden, zum anderen finanziert der
Gewinn meine etwas kostspielige Todesfeier. Meine etwas kostspielige
Todesfeier auf der Elvis und Amy Winehouse The show must go on singen,
die MTV dazu veranlassen wird, wieder Musik zu spielen, und die alle Wale
rettet. Gern geschehen.

 
„Liebe Anwesenden,
wir sind heute zusammengekommen, um meines kleinen Bruders zu
gedenken. Ein Anlass tiefer Trauer, aber keiner des Schweigens. Ihr werdet
meinen Bruder für einen selbstverliebten Träumer gehalten haben, doch lest
ihr zwischen den Zeilen seines Lebens, dann erkennt ihr, dass er sehr krank
war. Er war der größte Idealist, den ich kannte, doch litt er an einer Welt, die
nicht war, wie sie sein sollte.

 
Unserer Generation wurde gute Arbeit versprochen und wir bekommen
befristete Praktika.

Unserer Generation wurde Freiheit versprochen und wir
bekommen den elften September.

Unserer Generation wurde die ganze
Welt versprochen und wir bekommen Globalisierung.

 
Diese Lügen der Gesellschaft zerfraßen unaufhörlich das Herz des jungen
Mannes wie Tumore einen gesunden Körper. Verstümmelt und vernarbt blieb
nur noch ein verzerrtes, unwürdiges Abbild des einstigen Menschen. Doch
als diese krankhafte Karikatur seiner selbst, wollte er nicht weiterleben. Mein
Bruder beschloss der Welt einmal zu zeigen, wie es sein könnte. Er verkaufte
alles was er hatte, plante wie irrsinnig diesen Tag und verlor sich schließlich
vollkommen in seinen zu Ende verdrehten Ansprüchen. Und so ist auch heute
nichts, wie er es sich gewünscht hat. Wie im Leben, so im Tod.“
Bei seinen letzten Worten öffnet sich der Sargdeckel und ich erblicke die Welt
noch einmal in all ihrer Ehrlichkeit: Fern bekannte Gesichter sitzen vereinzelt
in leeren Kirchenbänken. Ein altes Bild von mir als Abiturient steht schief auf
dem Altar. Und ich sehe ein letztes Mal meinen Bruder. Meinen großen
Bruder, der mir einen winzigen Plüschelefanten in die kalten Hände drückt.

Alles hat ein Anfang, nur mein Blog hat zwei

Gut einen Monat, nachdem ich mich in diese Seite eingefuchst und alles vorbereitet habe, ist es so weit: Mein erster Blogeintrag. Herzlichen Glühstrumpf – endlich bin auch ich im digitalen Zeitalter angekommen.

Ab heute, diesem die Geschichte für immer verändernden Tag, möchte ich hier immer wieder literarische Texte, sinnlose Kommentare und bisher noch undefinierte Projekte uploaden. Beginnen soll mein endloser, widerlicher Erguss mit einem Bader-all-time-classic, dem Text, der die PULS-Lesereihe 2015 für sich entscheiden konnte, das Schriftstück, welches das Final der deutschsprachigen Poetryslammeisterschaft eröffnet hat oder einfach #BachelorofHearts.

Hier einmal schriftlich. Wer es sich lieber von mir lieber vorlesen lässt, einfach auf folgenden Link klicken: #Bachelorofhearts

 

 

#Bachelor of Hearts

 

Früher war das hier Heimat. Heute streichen sich gerade volljährig gewordene Hipster mit ihren Kulturwixxerbrillen gegenseitig die Dreitagebärte und werfen sich über den Kicker lauthals Beleidigungen zu, die keiner mehr genau versteht. #Lifestyle

Eigentlich fühle ich mich nicht alt, doch so umzingelt von zwanzigjährigen Freigeistern, die noch zwei Semester brauchen, bis sie ihren BWL-Bachelor endlich in der Tasche haben, tragen die roten Lampions des Clubs schwer zu einer melancholischen Stimmung bei. Über mein genaues Alter rede ich ungern, doch sagen wir so: wenn eine Frau meine Wohnung über der ehemaligen Alten Filmbühne nicht findet, ist sie eindeutig zu jung für mich. Und trotzdem habe ich noch kein abgeschlossenes Studium oder bin gar einer dieser motivierten Mitzwanzigerdozenten. Dafür habe ich mittlerweile gelernt, wie peinlich es ist, sich in einer Studentenkneipe über die Zitrone in seinem Gin-Tonic zu beschweren und nenne die Bib nicht mehr Philosophicum II. Letztes Semester hat mich so ein kleines Mädchen wirklich total schulbuchmäßig gefragt: „Könnten Sie mir bitte den Weg zum Philosophicum II beschreiben?“ In der Situation war ich dann so erschlagen von dem ‚Sie‘, ihrer Kindlichkeit und dem Kontakt zu Frauen im Allgemeinen, dass ich der Orientierungslosen nur stammelnd empfohlen habe, eine dazu passende App zu suchen. Ob es die überhaupt gibt, weiß ich nicht. Keine Glanzstunde meiner Schlagfertigkeit jedenfalls, obwohl ich sogar einige Semester Rhetorik studiert habe. Aber, das ist eben der Unterschied zwischen Uni und dem #Reallife.

Gerade als ich mit dem Thema abschließen möchte und einen großen Schluck aus meinem Gin-Tonic nehme, fällt mir wieder ein, was ich vor kurzem in der ‚Welt‘ gelesen habe: über die Hälfte der Arbeitgeber sind mit frisch angestellten Bachelorabsolventen unzufrieden. Diese bringen zu wenig ‚work experience‘ mit. Neben der Tatsache, dass Wörter wie ‚work experience‘ nichts in der deutschen Sprache zu suchen haben, bin ich der festen Überzeugung, die Arbeitgeber vermissen eher so etwas wie Lebenserfahrung bei diesen Anfang Zwanzigjährigen. Aber die wissen nicht einmal wohin im Leben und so etwas wie persönliche Reife können sie gar nicht haben, wenn man ein Jahr Gymnasium streicht, den Wehrdienst abschafft und versucht die Kürzung der Regelstudienzeit durch den freiwilligen Erwerb von Softskills auszugleichen. Ich persönlich besitze keine zertifizierten Softskills und in dunklen Stunden, auf meinen späten Heimwegen durch die schmalen Gässchen Regensburgs, frage ich mich manchmal wirklich, ob mich das zu einem schlechten Menschen macht. #SadMoments

Nächster Gin-Tonic, neuer Gedanke: Einer dieser laissez faire Vertreter bin ich dann aber auch ganz und gar nicht: Wenn so ein Schmalspurphilosoph wie Richard David Precht wieder einmal Aufmerksamkeit braucht und ohne Ahnung vom Bildungssystem erklärt, die Universität solle auch vermitteln, eigenverantwortlich zu entscheiden, wann man faul sein darf, rege ich mich sofort furchtbar auf. Nicht nur, dass verantwortlich und faul in der Sprache, auf die wir uns geeinigt haben, einen Gegensatz bilden, nein, ich stelle mir dann immer vor, wie das in Deutschland aussehen würde. Ein Pflichtseminar „Wann darf ich faul sein?“, geleitet von einem fünfundzwanzigjährigen Masterabsolventen mit Multiple-Choice-Test am Ende des Semesters. #Bolognareform.

Also, den Weg der Mitte? Ich könnte als zeitgenössischer Buddha morgens die ‚FAZ‘ lesen, mittags bei ‚VeganLifeStyle‘ auf ‚gefällt mir‘ klicken und abends immer noch nicht wissen, ob der Schweizer Asylantentatort mir zu drastisch war. Doch dann wäre ich in fünf Jahren wie meine Eltern und mit jedem Gin-Tonic wird mir eins klarer: Die teuren Weinflaschen zuhause sind kein Zeichen endlich angekommen zu sein, sondern nur eine heimliche Beichte der Einsamkeit. #VirtuosenAmGetränk

An solch gingetränkten Abenden drängt sich mir wiederholt der Gedanke auf, dass es wichtig ist nicht nur schnell voran, sondern auch weiter zu kommen. Doch diese Überlegungen enden meistens im Vollsuff mit einer Strafanzeige oder schlimmer noch: mit einem spätnächtlichen Anruf bei meiner Exfreundin.

Nach einem letzten, abschließenden Beruhigungs-Gin-Tonic, komme ich für mich zu dem Schluss, dass weder 180 ECTS-Punkte, noch eigenverantwortliches Unischwänzen, oder sonst etwas ausreicht, um aus mir so einen echten Erwachsenen zu formen. Ja, am Ende gar einen guten Menschen. Was es dafür braucht, weiß ich einfach nicht. Deshalb starre ich etwas hilfesuchende auf den Boden meines leeren Drinks, doch auch hier finde ich leider keine ehrliche Antwort.

Ob ich bald da bin? Ich glaube die entscheidende Frage ist: „Wohin überhaupt?“.

Das wird bei mir wohl noch ein Abenteuer – mit Verlängerung der Regelstudienzeit.

 

#Bachelor of Hearts

 

 

 

Danke für’s Lesen, ich hoffe hier schaut jemand rein und freut sich dann auf neue Inhalte

Euer Fabian