Alles hat ein Anfang, nur mein Blog hat zwei

Gut einen Monat, nachdem ich mich in diese Seite eingefuchst und alles vorbereitet habe, ist es so weit: Mein erster Blogeintrag. Herzlichen Glühstrumpf – endlich bin auch ich im digitalen Zeitalter angekommen.

Ab heute, diesem die Geschichte für immer verändernden Tag, möchte ich hier immer wieder literarische Texte, sinnlose Kommentare und bisher noch undefinierte Projekte uploaden. Beginnen soll mein endloser, widerlicher Erguss mit einem Bader-all-time-classic, dem Text, der die PULS-Lesereihe 2015 für sich entscheiden konnte, das Schriftstück, welches das Final der deutschsprachigen Poetryslammeisterschaft eröffnet hat oder einfach #BachelorofHearts.

Hier einmal schriftlich. Wer es sich lieber von mir lieber vorlesen lässt, einfach auf folgenden Link klicken: #Bachelorofhearts

 

 

#Bachelor of Hearts

 

Früher war das hier Heimat. Heute streichen sich gerade volljährig gewordene Hipster mit ihren Kulturwixxerbrillen gegenseitig die Dreitagebärte und werfen sich über den Kicker lauthals Beleidigungen zu, die keiner mehr genau versteht. #Lifestyle

Eigentlich fühle ich mich nicht alt, doch so umzingelt von zwanzigjährigen Freigeistern, die noch zwei Semester brauchen, bis sie ihren BWL-Bachelor endlich in der Tasche haben, tragen die roten Lampions des Clubs schwer zu einer melancholischen Stimmung bei. Über mein genaues Alter rede ich ungern, doch sagen wir so: wenn eine Frau meine Wohnung über der ehemaligen Alten Filmbühne nicht findet, ist sie eindeutig zu jung für mich. Und trotzdem habe ich noch kein abgeschlossenes Studium oder bin gar einer dieser motivierten Mitzwanzigerdozenten. Dafür habe ich mittlerweile gelernt, wie peinlich es ist, sich in einer Studentenkneipe über die Zitrone in seinem Gin-Tonic zu beschweren und nenne die Bib nicht mehr Philosophicum II. Letztes Semester hat mich so ein kleines Mädchen wirklich total schulbuchmäßig gefragt: „Könnten Sie mir bitte den Weg zum Philosophicum II beschreiben?“ In der Situation war ich dann so erschlagen von dem ‚Sie‘, ihrer Kindlichkeit und dem Kontakt zu Frauen im Allgemeinen, dass ich der Orientierungslosen nur stammelnd empfohlen habe, eine dazu passende App zu suchen. Ob es die überhaupt gibt, weiß ich nicht. Keine Glanzstunde meiner Schlagfertigkeit jedenfalls, obwohl ich sogar einige Semester Rhetorik studiert habe. Aber, das ist eben der Unterschied zwischen Uni und dem #Reallife.

Gerade als ich mit dem Thema abschließen möchte und einen großen Schluck aus meinem Gin-Tonic nehme, fällt mir wieder ein, was ich vor kurzem in der ‚Welt‘ gelesen habe: über die Hälfte der Arbeitgeber sind mit frisch angestellten Bachelorabsolventen unzufrieden. Diese bringen zu wenig ‚work experience‘ mit. Neben der Tatsache, dass Wörter wie ‚work experience‘ nichts in der deutschen Sprache zu suchen haben, bin ich der festen Überzeugung, die Arbeitgeber vermissen eher so etwas wie Lebenserfahrung bei diesen Anfang Zwanzigjährigen. Aber die wissen nicht einmal wohin im Leben und so etwas wie persönliche Reife können sie gar nicht haben, wenn man ein Jahr Gymnasium streicht, den Wehrdienst abschafft und versucht die Kürzung der Regelstudienzeit durch den freiwilligen Erwerb von Softskills auszugleichen. Ich persönlich besitze keine zertifizierten Softskills und in dunklen Stunden, auf meinen späten Heimwegen durch die schmalen Gässchen Regensburgs, frage ich mich manchmal wirklich, ob mich das zu einem schlechten Menschen macht. #SadMoments

Nächster Gin-Tonic, neuer Gedanke: Einer dieser laissez faire Vertreter bin ich dann aber auch ganz und gar nicht: Wenn so ein Schmalspurphilosoph wie Richard David Precht wieder einmal Aufmerksamkeit braucht und ohne Ahnung vom Bildungssystem erklärt, die Universität solle auch vermitteln, eigenverantwortlich zu entscheiden, wann man faul sein darf, rege ich mich sofort furchtbar auf. Nicht nur, dass verantwortlich und faul in der Sprache, auf die wir uns geeinigt haben, einen Gegensatz bilden, nein, ich stelle mir dann immer vor, wie das in Deutschland aussehen würde. Ein Pflichtseminar „Wann darf ich faul sein?“, geleitet von einem fünfundzwanzigjährigen Masterabsolventen mit Multiple-Choice-Test am Ende des Semesters. #Bolognareform.

Also, den Weg der Mitte? Ich könnte als zeitgenössischer Buddha morgens die ‚FAZ‘ lesen, mittags bei ‚VeganLifeStyle‘ auf ‚gefällt mir‘ klicken und abends immer noch nicht wissen, ob der Schweizer Asylantentatort mir zu drastisch war. Doch dann wäre ich in fünf Jahren wie meine Eltern und mit jedem Gin-Tonic wird mir eins klarer: Die teuren Weinflaschen zuhause sind kein Zeichen endlich angekommen zu sein, sondern nur eine heimliche Beichte der Einsamkeit. #VirtuosenAmGetränk

An solch gingetränkten Abenden drängt sich mir wiederholt der Gedanke auf, dass es wichtig ist nicht nur schnell voran, sondern auch weiter zu kommen. Doch diese Überlegungen enden meistens im Vollsuff mit einer Strafanzeige oder schlimmer noch: mit einem spätnächtlichen Anruf bei meiner Exfreundin.

Nach einem letzten, abschließenden Beruhigungs-Gin-Tonic, komme ich für mich zu dem Schluss, dass weder 180 ECTS-Punkte, noch eigenverantwortliches Unischwänzen, oder sonst etwas ausreicht, um aus mir so einen echten Erwachsenen zu formen. Ja, am Ende gar einen guten Menschen. Was es dafür braucht, weiß ich einfach nicht. Deshalb starre ich etwas hilfesuchende auf den Boden meines leeren Drinks, doch auch hier finde ich leider keine ehrliche Antwort.

Ob ich bald da bin? Ich glaube die entscheidende Frage ist: „Wohin überhaupt?“.

Das wird bei mir wohl noch ein Abenteuer – mit Verlängerung der Regelstudienzeit.

 

#Bachelor of Hearts

 

 

 

Danke für’s Lesen, ich hoffe hier schaut jemand rein und freut sich dann auf neue Inhalte

Euer Fabian

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