Bader klingt aus – Kann mir jemand sagen, wieso Pinguine?

Das automatische Schreiben ist nicht nur eine Heilmethode in der Psychotherapie, um Unterbewusstes dem eigenem, verklemmten Gehirn zu entlocken. Für mich ist es mittlerweile ein ganz spezieller, atemberaubender Zugang zu einer neuen Form von Kreativität und unerwarteten Texten.

Ich könnte hier nun von Pierre Janet ( nein, keine meiner Abendbekanntschaften ) oder Breton erzählen, doch dafür sehe ich mich nicht sonderlich qualifiziert. Mein Verfahren mit dem automatischen Schreiben ist nicht kompliziert, noch wissenschaftlich unterbaut, sondern lediglich: pragmatisch.

 

Anleitung:

  •  Man stelle sich 2 bis 5 GinTonic rein
  • mache laute, schnelle Musik an ( Freejazz hören meine Nachbarn zu später Stunde am liebsten)
  • tippe nun im Takt der Musik, einfach tippen, nie aufhören, nicht unterbrechen, nicht stocken, schreiben, nie aufhören, wenn man ideenlos ist ein neues Wort mit einem davor festgemachten Buchstaben ( ich nehme oft „L“)sofort beginnen, Lustmolch zum Beispiel, einfach weiterschreiben, kein Stopp, kein Halten mehr… ich denke ihr habt es verstanden…
  • nach 20 bis 30 Minuten aufhören und sofort weglegen
  • Schlafen & Ausnüchtern
  • im klaren Zustand das ganze auf sich wirken lassen, aber nicht totanalysieren
  • ggf. korrigieren

 

 

 

fo_salgado_genesis_06

Hier ein Beispiel, was für Geschichten dabei entstehen können

 

 

Geschichten in schwarz-weiß (IV)

 

Autor: Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.

Unschuldige Germanistin strahlend: Gerne.

Autor: Doch wichtig dabei: Sie spielt in schwarz-weiß.

Unschuldige Germanistin: Ich Verstehe.

 

Eines Morgens wollte ich die Pinguine sehen. Denn Pinguine sind grau. So schnürte ich meine Stiefel, nahm zuerst den Mantel und dann, zwei Blocks später, die Bahn durch die Stadt in den Zoo.

Die Pinguine befanden sich am Ende des Geländes, während auf dem Weg dorthin das Gehege der Affen lag. An deren Zaun traf ich viele, ehemalige Kommilitonen. Alle lungerten dort in ihren dunklen Mänteln, mit schiefen Schiefermützen und Bart, der getrimmt werden hätte sollen. Je nach Bekanntheitsgrad begrüßten wir einander mit einem Kopfnicken oder schweigendem Händeschlag. Zwei von ihnen schauten dabei in eine andere Richtung.

Wir starrten nun den Affen hinterher, wie sonst den Frauen aus unseren Cafés. Abwechselnd, ohne erkennbare Regelmäßigkeit rauchte jemand. Hin und wieder musste einer der Männer austreten.

Die Affen starrten uns zurück, durften aber nicht rauchen. Einmal, gegen späten Mittag warf der größten unter ihnen mit seinen Exkrementen nach uns.

„Ich wollte zu den Pinguinen. Sie sind grau“,

sagte einer neben mir und alle antworteten:

„Ich auch.“

Bei Schimmerstund ging ich ebenfalls austreten, kam zurück, mein Beutel Tabak verging und unser Tag verneigte sich. Verschwand höflich für immer.

So wurde es Abend und somit kalt.

„Ich hätte gerne die Pinguine gesehen“, dachte ich.

Und die anderen stimmten ein:

„Ich auch.“

 

 

 

Unschuldige Germanistin: Was will uns der Autor damit sagen?

Autor: Der Autor ist tot.

Unschuldige Germanistin: Das ist schade.

Autor: Das ist Forschungsstand.

Unschuldige Germanistin: Längst überholt!

 

*Pause*

 

Autor: Ich denke *Pause*  man überholt den Tod nicht.

*Sie weint. Er kann das nicht*

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