So richtig geile Texte schreiben

Puls und Bader helfen:

(einfach geklaut von Jasmin Körber; dafür Werbung für die PULS-Lesereihe 2016)

 

 

Schreibtipps von der Lesereihe Jury

So schreibt ihr richtig geile Texte

Kurz vor der Deadline für die PULS Lesereihe gibt die Jury Nachhilfe und verrät ihre geheimsten Schreibtipps: Wie ihr den perfekten ersten Satz findet und warum für gute Texte manchmal nur noch Zocken hilft.

Von: Jasmin Körber

Stand: 26.12.2016

Lesereihe Collage | Bild: BR

Jedes Jahr tingeln wir durch Bayern, um den besten Nachwuchsautoren und –autorinnen des Landes eine Bühne zu bieten. Zu gewinnen gibt’s außerdem einen Schreibworkshop am deutschen Literaturinstitut in Leipzig und einen Besuch auf der Leipziger Buchmesse.

Bewerben kann sich jeder unter 30 noch bis zum 2. Januar mit seinem Text. Und damit der möglichst taugt, hat die Lesereihe-Jury noch ein paar finale Tipps:

Ein guter Text braucht…

Claudius Nießen: „… die richtige Idee. Dazu gehört auch, mutig genug zu sein, zu erkennen, dass Ideen nicht genug sind und es dann zu lassen.  Kill your darlings. Gerade bei kurzen Texten wie für die PULS Lesereihe ist man in seinen erzählerischen Mitteln ja recht beschränkt. Ich kann da ja keine 25 Personen vorstellen. Man sollte deshalb eine grobe Vorstellung davon haben, wo man am Ende rauskommt und was man erzählen will. Letztendlich gibt’s aber keine Backrezepte für’s Schreiben – man muss einfach ins kalte Wasser springen.“

Carmen Wegge: „… ein Augenzwinkern, eine Aussage und Bilder. Zumindest im Poetry Slam, aber ich finde das auch bei Lesetexten ganz wichtig, dass man Bilder in den Kopf des Lesenden malt und das geht nur, wenn man unfassbar viele Adjektive verwendet.“

Fridolin Schley: „… einen guten Sound. Ich kann mich bei Texten oft nicht mehr an die Handlung oder das Ende erinnern, aber der Sound ist bei mir das, was hängen bleibt. Den Sound findet man durch viel Ausprobieren: verschiedene Zeitebenen, verschiedene Rhythmen, kürzere Sätze, längere Sätze. Erst wenn ich den richtigen Sound gefunden habe, habe ich das Gefühl, den Text in den Griff zu bekommen.“

Der erste Satz…

Carmen Wegge: „… muss knallen, ist bei mir aber immer einfach da. Ich geh spazieren oder ich steh unter der Dusche, an jedem Ort kann es passieren, dass auf einmal der erste Satz da ist. Aber der erste Satz muss auch da sein zum Reinfinden. Ich persönlich geh immer davon aus, dass der zweite Satz eigentlich am wichtigsten ist.“

Fridolin Schley
: „… ist nicht so wichtig. Vor Jahren gab es mal eine Umfrage nach dem besten ersten Satz und gewonnen hat: „Ilsebill salzte nach“ von Günther Grass. Klar, das ist ein super Satz, aber ich glaube nicht, dass Grass da jetzt ewig drüber nachgegrübelt hat. Anders ist es bei letzten Sätzen: die bleiben bei mir hängen. Bei meinem ersten Roman wusste ich den letzten Satz zum Beispiel als Erstes.“

Fabian Bader: „… steht schon bevor die Geschichte steht. Ich habe oft schon Initialsätze in meinem Kopf. Ich finde zwei knappe Sätze am Anfang gut. Und danach einen langen. Das entwickelt dann so ein gewisses Tempo und eine gewisse Leichtigkeit um in den Text zu kommen.“

Spannung schafft man,…

Fabian Bader: „… durch Tempo. Satzlängen variieren, zum Beispiel durch stakkatomäßige kürzere Sätze. Und ich mag gern unterschwellige Spannungen in den Figurenkonstellationen, die irgendwann vielleicht herausplatzen. Man sollte merken, dass irgendwas zwischen den Figuren nicht rund ist. Ruhige und besonnene Figuren, die mit sich selbst im Reinen sind, sind nicht das Spannendste.“

Fridolin Schley: „… indem man spannende Figuren schreibt. Die alles entscheidende Frage ist für mich persönlich: Was will eine Figur? Eine Figur ist dann interessant, wenn sie etwas will, ein Ziel verfolgt, sich eine Aufgabe stellt, eine große Sehnsucht hat. Das haben wir alle irgendwo in uns. Ein guter Plot orientiert sich aber immer an einer Figur, die etwas will und durch alle Widerstände hindurch für etwas kämpft.“

Was tue ich bei einer Schreibblockade?

Fridolin Schley: „Automatisches Schreiben hilft. Das heißt: Man fängt an zu schreiben und sucht sich einen Reiz, einen Gegenstand oder ein bestimmtes Wort.  Und man zwingt sich anzufangen zu schreiben. Es gibt nur eine Regel: nie aufhören.  Das macht man dann fünf Minuten und holt sich immer neue Reize aus der Umgebung. Es ist gar nicht schlimm, wenn dabei völliger Blödsinn dabei rauskommt, hauptsache man kommt ins Schreiben rein. Weil plötzlich beginnt auf fast magische Art und Weise ein Assoziationsgewitter im Kopf und schon kommt man in den Schreibrhythmus rein.“

Fabian Bader: „Mir hilft es, mich anderweitig mit Schriftstücken zu beschäftigen. Oder ich mache Bildcollagen aus Magazinschnipseln zu meinen Figuren. Die helfen mir dabei, mich mit den Figuren zu identifizieren und ich entdecke an ihnen oft Seiten, die ich beim ersten Lesen nicht gesehen hab. Manchmal hilft halt auch nur fünf bis sechs Stunden Computer spielen. Am besten Civilization“

Claudius Nießen: „Ich brauche eine Deadline zum Produktivsein. Ohne Deadline stehe ich nicht auf und ohne Deadline kann ich auch nicht anfangen zu schreiben. Am liebsten ist es mir, wenn die Tage vorher immer mal jemand anruft und Druck macht. Bevor’s ganz eng wird werde ich am produktivsten.“

Also: Gebt schon mal euren Freunden Bescheid, damit sie in den nächsten Tagen regelmäßig durchklingeln. Die Deadline ist am 2. Januar – wir sehen uns dann bei der Lesereihe!

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