So richtig geile Texte schreiben

Puls und Bader helfen:

(einfach geklaut von Jasmin Körber; dafür Werbung für die PULS-Lesereihe 2016)

 

 

Schreibtipps von der Lesereihe Jury

So schreibt ihr richtig geile Texte

Kurz vor der Deadline für die PULS Lesereihe gibt die Jury Nachhilfe und verrät ihre geheimsten Schreibtipps: Wie ihr den perfekten ersten Satz findet und warum für gute Texte manchmal nur noch Zocken hilft.

Von: Jasmin Körber

Stand: 26.12.2016

Lesereihe Collage | Bild: BR

Jedes Jahr tingeln wir durch Bayern, um den besten Nachwuchsautoren und –autorinnen des Landes eine Bühne zu bieten. Zu gewinnen gibt’s außerdem einen Schreibworkshop am deutschen Literaturinstitut in Leipzig und einen Besuch auf der Leipziger Buchmesse.

Bewerben kann sich jeder unter 30 noch bis zum 2. Januar mit seinem Text. Und damit der möglichst taugt, hat die Lesereihe-Jury noch ein paar finale Tipps:

Ein guter Text braucht…

Claudius Nießen: „… die richtige Idee. Dazu gehört auch, mutig genug zu sein, zu erkennen, dass Ideen nicht genug sind und es dann zu lassen.  Kill your darlings. Gerade bei kurzen Texten wie für die PULS Lesereihe ist man in seinen erzählerischen Mitteln ja recht beschränkt. Ich kann da ja keine 25 Personen vorstellen. Man sollte deshalb eine grobe Vorstellung davon haben, wo man am Ende rauskommt und was man erzählen will. Letztendlich gibt’s aber keine Backrezepte für’s Schreiben – man muss einfach ins kalte Wasser springen.“

Carmen Wegge: „… ein Augenzwinkern, eine Aussage und Bilder. Zumindest im Poetry Slam, aber ich finde das auch bei Lesetexten ganz wichtig, dass man Bilder in den Kopf des Lesenden malt und das geht nur, wenn man unfassbar viele Adjektive verwendet.“

Fridolin Schley: „… einen guten Sound. Ich kann mich bei Texten oft nicht mehr an die Handlung oder das Ende erinnern, aber der Sound ist bei mir das, was hängen bleibt. Den Sound findet man durch viel Ausprobieren: verschiedene Zeitebenen, verschiedene Rhythmen, kürzere Sätze, längere Sätze. Erst wenn ich den richtigen Sound gefunden habe, habe ich das Gefühl, den Text in den Griff zu bekommen.“

Der erste Satz…

Carmen Wegge: „… muss knallen, ist bei mir aber immer einfach da. Ich geh spazieren oder ich steh unter der Dusche, an jedem Ort kann es passieren, dass auf einmal der erste Satz da ist. Aber der erste Satz muss auch da sein zum Reinfinden. Ich persönlich geh immer davon aus, dass der zweite Satz eigentlich am wichtigsten ist.“

Fridolin Schley
: „… ist nicht so wichtig. Vor Jahren gab es mal eine Umfrage nach dem besten ersten Satz und gewonnen hat: „Ilsebill salzte nach“ von Günther Grass. Klar, das ist ein super Satz, aber ich glaube nicht, dass Grass da jetzt ewig drüber nachgegrübelt hat. Anders ist es bei letzten Sätzen: die bleiben bei mir hängen. Bei meinem ersten Roman wusste ich den letzten Satz zum Beispiel als Erstes.“

Fabian Bader: „… steht schon bevor die Geschichte steht. Ich habe oft schon Initialsätze in meinem Kopf. Ich finde zwei knappe Sätze am Anfang gut. Und danach einen langen. Das entwickelt dann so ein gewisses Tempo und eine gewisse Leichtigkeit um in den Text zu kommen.“

Spannung schafft man,…

Fabian Bader: „… durch Tempo. Satzlängen variieren, zum Beispiel durch stakkatomäßige kürzere Sätze. Und ich mag gern unterschwellige Spannungen in den Figurenkonstellationen, die irgendwann vielleicht herausplatzen. Man sollte merken, dass irgendwas zwischen den Figuren nicht rund ist. Ruhige und besonnene Figuren, die mit sich selbst im Reinen sind, sind nicht das Spannendste.“

Fridolin Schley: „… indem man spannende Figuren schreibt. Die alles entscheidende Frage ist für mich persönlich: Was will eine Figur? Eine Figur ist dann interessant, wenn sie etwas will, ein Ziel verfolgt, sich eine Aufgabe stellt, eine große Sehnsucht hat. Das haben wir alle irgendwo in uns. Ein guter Plot orientiert sich aber immer an einer Figur, die etwas will und durch alle Widerstände hindurch für etwas kämpft.“

Was tue ich bei einer Schreibblockade?

Fridolin Schley: „Automatisches Schreiben hilft. Das heißt: Man fängt an zu schreiben und sucht sich einen Reiz, einen Gegenstand oder ein bestimmtes Wort.  Und man zwingt sich anzufangen zu schreiben. Es gibt nur eine Regel: nie aufhören.  Das macht man dann fünf Minuten und holt sich immer neue Reize aus der Umgebung. Es ist gar nicht schlimm, wenn dabei völliger Blödsinn dabei rauskommt, hauptsache man kommt ins Schreiben rein. Weil plötzlich beginnt auf fast magische Art und Weise ein Assoziationsgewitter im Kopf und schon kommt man in den Schreibrhythmus rein.“

Fabian Bader: „Mir hilft es, mich anderweitig mit Schriftstücken zu beschäftigen. Oder ich mache Bildcollagen aus Magazinschnipseln zu meinen Figuren. Die helfen mir dabei, mich mit den Figuren zu identifizieren und ich entdecke an ihnen oft Seiten, die ich beim ersten Lesen nicht gesehen hab. Manchmal hilft halt auch nur fünf bis sechs Stunden Computer spielen. Am besten Civilization“

Claudius Nießen: „Ich brauche eine Deadline zum Produktivsein. Ohne Deadline stehe ich nicht auf und ohne Deadline kann ich auch nicht anfangen zu schreiben. Am liebsten ist es mir, wenn die Tage vorher immer mal jemand anruft und Druck macht. Bevor’s ganz eng wird werde ich am produktivsten.“

Also: Gebt schon mal euren Freunden Bescheid, damit sie in den nächsten Tagen regelmäßig durchklingeln. Die Deadline ist am 2. Januar – wir sehen uns dann bei der Lesereihe!

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Bader klingt aus

Dieses Mal wenige Worte. Der erste Text, den ich je niedergeschrieben habe.

 

Der Mann, der lächelte

Abends allein in einer Bar zu sitzen ist nicht traurig, es ist eine Aussage. Bei Männern lautet sie, oh bitte, lass mich in Ruhe, bei Frauen schreit sie förmlich, oh bitte, fick mich. Wer damit mehr Erfolg hat, wissen wir. Ich sitze auf jeden Fall allein in einer Bar. Um mich herum verteilen sich die Rauchschwaden gefühlt tausender Zigaretten. Seit Ewigkeit tönt der immer gleiche Rockklassiker – ich frage mich, ob das wirklich nur mir auffällt – in ermüdender Dauerschleife aus billigen Boxen und noch schlimmer, der Alkohol will noch nicht seine versprochene Wirkung zeigen. Da kommt er. Groß und auffällig elegant gekleidet. Sein nachtschwarzer Anzug passt perfekt und schillert leicht bei jeder Bewegung. Dieses Schwarz – es ist das Dunkelste ist, was ich je in meinem Leben gesehen habe – und das Schwarz seiner Haare steht im absoluten Kontrast zu seiner strahlend weißen Haut. Ich bin mir sicher, selbst Schneewittchen würde ihn hierfür beneiden. Es gibt nicht eine einzige Unebenheit, die ich in dem maskengleichen Gesicht entdecken kann. Seine Blässe scheint zu leuchten und sich auf magische Weise tausendfach in seinem Jackett zu reflektieren. Ich erwische mich, wie ich ihm hinterher schaue. Ja, er ist äußerst interessant. Sogar anziehend. Oh Gott, Themawechsel: Mehr Alkohol. Ich muss über anderes nachdenken, als über diesen Mann und starre tief in mein Glas – Cognac hat mir schon immer gefallen. Er hat so etwas Warmes und Beruhigendes, vielleicht erinnert er mich  einfach nur an meinen Vater – Oh, Teufel! Nicht mal das hilft etwas! Mein Verstand sucht diesen Fremden und meine Augen folgen sogleich willig. Doch als ich aufschaue, ist er weg. Nirgendwo zu fassen. Es ist, als wäre er nie da gewesen, Ich lasse meinen Blick durch den ganzen Raum schweifen, aber kann  ihn nicht finden. Guten Abend. Höre ich plötzlich eine Stimme nah meines Ohrs. Überrascht drehe ich mich um und zu meiner Verwunderung ist der, den ich eben noch gesucht habe, direkt bei mir. Schlagartig steigt Erregung in mir hoch. Mein ganzer Körper beginnt von innen heraus zu prickeln, wie beim Bauchnabel dieser Schöfferhoferweizenbierschlampe – und will verdammt noch mal – nicht damit aufhören. Doch mit einem charmanten Lächeln reißt er mich aus meinen nicht jugendfreien Gedanken. Er will meinen Namen wissen. Ich antworte und frage nach seinem, doch er lächelt nur und dreht mir die Schulter zu. Er schweigt einige Sekunden, gefühlte Stunden. Er schafft eine Stille, ich lasse sie zu. Keine peinliche oder gar bedrohliche Stille. Nein, es ist eine vollkommene Leere. Es ist eine absolute Unbekannte. Es ist ein Strom, dem ich anfangs nicht entfliehen will und es plötzlich nicht mehr kann. Ich werde tiefer und tiefer hineingezogen. Bin verschlungen und nichts mehr um mich herum ist von Bedeutung. Nur noch die Stille. Aus dem Nichts heraus bricht er mit unserer kurzen Ewigkeit. Mephisto. Was? Du weißt es: Gottes Gegenspieler, aus dem Paradies verbannt, Luzifer, Satan, die Verführung bla, bla, bla. Unzählige Namen. Der Teufel eben. Jetzt wende ich mich ab. Verzieh dich. Ich will nichts davon wissen und führe mein Glas wieder zum Mund. Dein Erster? Fünfter. Dann lächelt er. Und ich verstehe. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken und meine Hände zittern. Abermillionen Gedanken schießen mir durch den Kopf, doch keiner bleibt lange genug dort, um gefasst oder gar ausgesprochen zu werden. Er, höchst persönlich. Nach einer bedeutungsschwangeren Pause steckt er sich eine Zigarette an und ich habe die Schachtel in der Hand. Zug für Zug breitet sich eine wohltuende Wärme in mir aus, nistet sich langsam in meinem Kopf ein und macht es sich dort bequem. Mir fällt ein, ich rauche gar nicht und doch, geht es mir besser. Ich bin wieder im Stande meine Gedanken zu sammeln und frage mich, weshalb er hier ist. Um dich besser kennen zu lernen. Verwirrung. Was will er von mir? Das weißt du doch selbst. Vergiss es. Darauf beginnt er nur zu lachen – richtig herzlich, das spüre ich – und fängt an zu erzählen: Früher, doch diese Zeit ist endgültig vorüber. Früher hat es noch Spaß gemacht gute Menschen von ihrem Weg abzubringen oder sittliche Frauen zu verführen. Kurz die Sünde zu sein. Vor langer Zeit war ich überall, in mannigfacher Gestalt. Ich war im Zenit meiner Macht. So viele Seelen habe ich befleckt und auf ewig ins Verderben gezogen. Es war traumhaft. Damals war das alles noch eine Herausforderung! Um wirklich jeden musste ich mit Gott ringen. Doch nie dachte ich, dass sein Wetteinsatz ehrlich gemeint war und ich überhaupt eine Chance hatte. Aber jeder hatte seinen Platz und ich bin einfach, was ihr kurz das Böse nennt. So war es immer. Bis zur Aufklärung des Menschen. Anfangs hatte ich teuflische Angst davor: Eine Menschheit die selbst denkt, anstatt blind zu folgen, hätte sogar mir gefährlich werden können. Ich tat also alles, wozu ich im Stande war, um solch ein Unheil aufzuhalten. Ich betätigte Hebel und ergriff Mittel vor denen sonst selbst der Teufel zurückschreckt. Alles tat ich, alles! Ich war böser denn je, schlimmer als alles andere hätte je werden können. Allerdings half nichts. Immer mehr Menschen begannen selbst zu entscheiden. Ihr wurdet unabhängig. Doch was ich erst für mein Todesurteil hielt, stellte sich anfangs als das genaue Gegenteil heraus. Mit großer Begeisterung bemerkte ich, dass der Mensch, wenn er frei, zu weit aus grausameren als Kreuzzügen und Ehebruch fähig ist. Ich verstehe plötzlich die Welt nicht mehr. Ich muss nichts weiter tun als zu zusehen und die Skrupellosigkeit der Rassen genießen. Schon bald und ganz ohne mein Zutun breitete sich dieses Geschwür von Aufklärung soweit aus, bis es den ganzen Erdballen umspannte und diesen wie eine gemeine, dünne Schicht überzog. Von Jahr zu Jahr wird sie fester und schafft es immer besser den Armen unten jegliche Sonne zu verwehren. Und wo sind wir jetzt? Maßlose Habgier regiert alles und lässt keinen Platz für Mitleid. Der Mensch dreht größere und bedeutend gefährlichere Folterräder, als es ich je hätte tun können. Der Mensch sitzt am längeren Hebel. Ich bin ersetzt. Die Gesellschaft braucht keinen Teufel mehr, sie ist ihr eigener geworden. Mit ihren Finanzmärkten und ihrer Gewinnmaximierung stehen ihr schlagkräftigere Waffen zu Verfügung, als ich mir  erträumt habe. Wir sind nicht nur böse, wir feiern laut die Bösesten unter uns. Die wenigen Menschen, die das erkannt haben, trinken, denn so eine Welt ist nicht zu ertragen – keine Sterne, keine Blumen, keine Kinderaugen! Es gibt nirgendswo noch Platz für mich. Mehr Menschen, als ich ertragen kann haben, strömen direkt in die Hölle. Sie scheinen sich um die besten Plätze dort nur so zu drängen. You´re on the high way to hell. Armer Teufel. Er tut mir aufrichtig leid und im gleichen Moment tue ich mir selbst unendlich leid. Ich sehe zum ersten Mal mit offenen Augen. Ernüchterung. Das alles stimmt. Man kann nur trinken. Ich stehe auf. schaue auf die Welt und breche in Tränen aus. Sie ist mir zu pervers geworden. Ich brächte es nicht über mich sie weiter zu beschmutzen und anderes kann ich nicht. Hierbei bahnt sich eine Träne ihren Weg. Ich will – nein, ich muss – trösten. Also schließe ich zärtlich meine Arme und werde Schutzschild für diesen gefallenen Engel. Ich nehme alles auf mich. Das Elend, das Leid, den ganzen Dreck der Welt. Dann berührt er auch mich. Aber vollkommen anders. Zögerlich fasst seine Hand meinen Unterschenkel und gleitet ganz langsam immer weiter nach oben. Mit jedem einzelnen Millimeter den seine Finger mir näher kommen, wird sein Griff enger. Mehr und mehr spüre ich meine Begierde und in einem Sekundenbruchteil entfacht sich unstillbare Lust in mir. Sie steigt von überall in mir hoch, schießt glühend von meinen Lenden durch die Brust direkt in meine Augen. Ein Schauer jagt den Nächsten über meinen Rücken. Mir wird schlagartig heiß. Dann, als ob plötzlich ein heißgefüllter Luftballon in meinem Inneren geplatzt ist, ergießt sich kochende Erregung in meinen ganzen Körper. Ich schwelle an, pulsiere. Wir fühlen es.  Hände tasten weiter, Fingerkuppen graben sich immer fester in mein Fleisch. Dann fasst sie zu. Mein Atem stockt. Bin bis zum Zerreisen gespannt. Wieder gibt es nur uns. Bis er lächelt. Komm mit mir, ich zeige dir mehr von dieser Welt. Ich lächle. Ich verlasse die Bar. Tür auf und raus. Frische Luft. Frische Luft in meinen Lungen und in meinem Gehirn. Zu viel Sauerstoff, um nicht mehr zu verstehen. Ich muss weg, zurück. Stürmisch kehre ich mich um und ergreife die Flucht zurück. Erleichterung überkommt mich. Meine Stimmung schlägt in höchste Euphorie um. Jeder kann frei entscheiden. Jeder kann seine Chance nutzen und den Teufel vor der Tür stehen lassen. Darauf werde ich trinken! Ich gehe an die Bar und weiß, dass er jetzt lächelt.

 

Bader klingt aus – Damals war mehr Weihnachten


Morgen ist der 2te Advent. Das überrascht wenige. War schließlich letztes Jahr auch der Fall. So wie die 23 Jahre davor. Mehr kann ich euch leider nicht versichern, aber wahrscheinlich gab es trotzdem einen 2te Advent. 

Die erste Hälft der NocheinGlühweinzwischenGeschenkekaufenunddenfckingJahresabschlusshinbekommenZeit ist somit überlebt und das wäre Grund zum Feiern, bestünde ein Ganzes nicht immer aus zwei Halben. Ihr merkt bereits, ich bin richtig in Weihnachtsstimmung. Manch einer wird das sicherlich sehr traurig, gar bemitleidenswert finden und sagen, ich solle mich nicht so anstellen…

Aber ich habe es dieses Jahr wirklich versucht, – meine Exfreundinen werden folgenden Satz schon vermehrt gehört haben – ich bin unschuldig: 

Pünktlich zum 1. Dezember war ich trotz meines Hasses von Zimtgeruch mit Freunden Glühwein, -bier, -Schnaps trinken. Letzte Woche habe mir Nazinostalgie in Film und Flüssig von Feuerzangenbowle gegeben. Gestern erst habe ich 4 Zigaretten um meine Topfpflanze geklebt, zwei angezündet und bin eine halbe Stunde nackt zu einem Remix von Last Christmas (der Song LAST XXXMas ist nicht weiterzuempfehlen) drumherum getanzt… Nichts.

Dann habe ich auf einen Zettel geschrieben damals war mehr Weihnachten und wurde eine Traurigkeit für den Abend.

Denn gab es damals nicht so etwas wie Weihnachten? 

Damals.

Damals, als noch Musik war. 

Damals, als man sich zum ersten und letzten Mal wirklich – ach egal.

Bader klingt aus – mehr Selbstoffenbarung

 

Nicht alles klappt auf den ersten Versuch. Vieles muss man zweimal oder öfters angehen bis man zu seinem Ziel gelangt. So ging es mir bei einer Bewerbung für etwas, mir sehr wichtiges. Demnach habe ich das letzte Jahr einmal rekapitulieren lassen und musst einiges eingestehen… Selbstreflexion und so… jaja.

Ob eine Bewerbung auch eine Form von Literatur darstellen kann, ist sicher eine Streitfrage. Dass es ehrliche, mir zuerst schwer fallende Worte waren, nicht. So habe ich meinen Stolz überwinden können und mich einer anderen Meinung voll und ganz hingegeben.

Doch lest selbst: (Selbstoffenbarung incoming)

 

 

Sehr geehrt _____  ______,

mit dieser Email bewerbe ich mich ein zweites Mal bei Ihnen für _____________. Dafür habe ich meine Texte von letztem Jahr rausgesucht. Beim Durchlesen des Textes kann ich Ihnen voll und ganz zustimmen, mich im vorherigen Jahr nicht genommen zu haben. Der Text war – würde ich Sie bereits persönlich kennen, würde ich im Folgenden ein anderes Wort verwenden – schlecht und besonders: unausgereift.

Ehrlich gesagt, war ich letztes Jahr auf einem eigenartigem Höhenflug. Ich hatte kurz vor meiner Bewerbung die PULS-Lesereihe und den den Förderpreis der Jugenverlagsmenschen gewonnen. Das war ein außerordentlich Hype, doch hob dieser mich zu schnell auf ein sehr hohes Ross und in diesem Zustand wollte ich einfach nur alles mitnehmen, was irgendwie möglich ist. Ich bin ein kreativer, doch von Natur aus auch schneller, hektischer Denker. Gepaart mit meiner, durch kurzzeitige Anerkennung hervorgerufene, Selbstüberschätzung führte das zu mehr Quantität denn Qualität im Schreiben. Man könnte hier geneigt sein, an ein altes Sprichwort denken, aber ganz passend finde ich das nicht. Denn jetzt, heute möchte ich es nicht als einen Fall bezeichnen, zu der einen Sache gefunden zu haben, die mich mehr beschäftigt und erfüllt als andere bisher. Nach dem wieder verflogenen Rummel um meine Person bin ich ein persönliches Loch gestürzt. Das kannte ich bereits von den Wochen nach einer gelungen Theaterproduktion, doch diesmal wollte das Loch sich nicht so schnell füllen lassen. Dunkel war es.

Am Ende blieb mir die Literatur und das eigene Schreiben. Davon zehre ich seitdem, brauche mehr Zeit, weniger zu schreiben. Geblieben ist der Wunsch und der Wille, eines Tages herausragend auf meine Art schreiben zu können. Dafür nutze ich nun meine komplette, freie Zeit. Doch alleine ist das eine große Herausforderung für mich. Im Austausch und mit der Hilfe von ________ war ich bereits in der Lage einige Schritte zu gehen. Doch brenne ich darauf weiter zu machen, voran zu kommen, um – so möge die Zeit kommen – vorne, ehrlich mitrennen zu können.

Deswegen bitte ich Sie meiner zweiten Bewerbung eine Chance zu geben. Anbei sind zwei neue Texte, sowie der Alte zum Vergleich. Ich hoffe Sie können einen Fortschritt als auch meine Motivation darin erkennen.

Mit freundlichen Grüßen

Fabian Bader   

 

PS: Die Ehrlichkeit hat sich gelohnt 😉

Bader klingt aus – Kann mir jemand sagen, wieso Pinguine?

Das automatische Schreiben ist nicht nur eine Heilmethode in der Psychotherapie, um Unterbewusstes dem eigenem, verklemmten Gehirn zu entlocken. Für mich ist es mittlerweile ein ganz spezieller, atemberaubender Zugang zu einer neuen Form von Kreativität und unerwarteten Texten.

Ich könnte hier nun von Pierre Janet ( nein, keine meiner Abendbekanntschaften ) oder Breton erzählen, doch dafür sehe ich mich nicht sonderlich qualifiziert. Mein Verfahren mit dem automatischen Schreiben ist nicht kompliziert, noch wissenschaftlich unterbaut, sondern lediglich: pragmatisch.

 

Anleitung:

  •  Man stelle sich 2 bis 5 GinTonic rein
  • mache laute, schnelle Musik an ( Freejazz hören meine Nachbarn zu später Stunde am liebsten)
  • tippe nun im Takt der Musik, einfach tippen, nie aufhören, nicht unterbrechen, nicht stocken, schreiben, nie aufhören, wenn man ideenlos ist ein neues Wort mit einem davor festgemachten Buchstaben ( ich nehme oft „L“)sofort beginnen, Lustmolch zum Beispiel, einfach weiterschreiben, kein Stopp, kein Halten mehr… ich denke ihr habt es verstanden…
  • nach 20 bis 30 Minuten aufhören und sofort weglegen
  • Schlafen & Ausnüchtern
  • im klaren Zustand das ganze auf sich wirken lassen, aber nicht totanalysieren
  • ggf. korrigieren

 

 

 

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Hier ein Beispiel, was für Geschichten dabei entstehen können

 

 

Geschichten in schwarz-weiß (IV)

 

Autor: Ich möchte dir eine Geschichte erzählen.

Unschuldige Germanistin strahlend: Gerne.

Autor: Doch wichtig dabei: Sie spielt in schwarz-weiß.

Unschuldige Germanistin: Ich Verstehe.

 

Eines Morgens wollte ich die Pinguine sehen. Denn Pinguine sind grau. So schnürte ich meine Stiefel, nahm zuerst den Mantel und dann, zwei Blocks später, die Bahn durch die Stadt in den Zoo.

Die Pinguine befanden sich am Ende des Geländes, während auf dem Weg dorthin das Gehege der Affen lag. An deren Zaun traf ich viele, ehemalige Kommilitonen. Alle lungerten dort in ihren dunklen Mänteln, mit schiefen Schiefermützen und Bart, der getrimmt werden hätte sollen. Je nach Bekanntheitsgrad begrüßten wir einander mit einem Kopfnicken oder schweigendem Händeschlag. Zwei von ihnen schauten dabei in eine andere Richtung.

Wir starrten nun den Affen hinterher, wie sonst den Frauen aus unseren Cafés. Abwechselnd, ohne erkennbare Regelmäßigkeit rauchte jemand. Hin und wieder musste einer der Männer austreten.

Die Affen starrten uns zurück, durften aber nicht rauchen. Einmal, gegen späten Mittag warf der größten unter ihnen mit seinen Exkrementen nach uns.

„Ich wollte zu den Pinguinen. Sie sind grau“,

sagte einer neben mir und alle antworteten:

„Ich auch.“

Bei Schimmerstund ging ich ebenfalls austreten, kam zurück, mein Beutel Tabak verging und unser Tag verneigte sich. Verschwand höflich für immer.

So wurde es Abend und somit kalt.

„Ich hätte gerne die Pinguine gesehen“, dachte ich.

Und die anderen stimmten ein:

„Ich auch.“

 

 

 

Unschuldige Germanistin: Was will uns der Autor damit sagen?

Autor: Der Autor ist tot.

Unschuldige Germanistin: Das ist schade.

Autor: Das ist Forschungsstand.

Unschuldige Germanistin: Längst überholt!

 

*Pause*

 

Autor: Ich denke *Pause*  man überholt den Tod nicht.

*Sie weint. Er kann das nicht*

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Bader klingt aus

Ein Mal die Woche zur deren Ende sollte ich schaffen, etwas zu posten. Der Inhalt wird sich stark unterscheiden: Von absolutem Blödsinn (häufig) über meine Kurzgeschichten (immer mal wieder) bis hin zu ernst zunehmender Literatur ( reine Wunschvorstellung).

Anfangen soll ‚Bader klingt aus‘ (Habt ihr besser klingende Vorschläge? Immer her damit) mit einem sehr persönlichen Text. Wer mich kennt wird verstehen, alle anderen bekommen hoffentlich trotzdem ein Gefühl. Denn mehr ist es nicht und darf es auch nicht sein. Gefühle – das einzige, was wir nicht nur besitzen, sondern auch immer sind, sage ich einfach mal ganz großspurig.

Ich würde mich freuen, wenn ihr ein ‚Gefällt mir‘ (auch, wenn’s euch nicht gefällt, ich will da mal nicht so sein) oder gar eure Meinung da lasst. Ich freue mich immer von euch zu hören und lese alles mit großem Interesse.

Euer Fabi

 

Aber nun zum Text

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Der Teppich

 

Ein Jahr liege ich auf der roten Wüste. Wärme mich Erinnerung. Streiche vorsichtig über purpurne Fasern und lasse jede einzeln durch geschundenen Finger gleiten. Mit jedem sich zuerst sträubenden, dann langsam nachgebenden und schließlich zu schnell zurückspringen Halm steigt der vertraute Duft des Vermissens in meine Nase. Vergangenheit vermischt. Öltränen verteilt sich. In mir. Ich möchte jetzt weinen Können. Hier, auf diesem, ihren Teppich. Will versinken im Verlorenem.

Doch schweift Verlust durch Griff, wie Faser durch Kamm. Ist dahinter verschwunden, unmehrgreifbar. Verschwiffen. So zu sagen.

Die Gedanken verschwiffen, der Körper zerfressen. Diese Milben von innen. An den alles zusammenhaltenden Knoten und Strängen genagt. Zernagt bis Zernabt. Bis nichts mehr blieb.

Keine Leber, keine Niere, eine Brust.